Die Ostseesaison für Fahrtensegler läuft von Mai bis Oktober. Die Wahl des Monats entscheidet über mehr als das Wetter: Sie bestimmt, wie voll die Häfen sind, wie warm das Wasser ist und wie viel Wind Sie bekommen.
Die Monate im Vergleich
| Monat | Wind | Wasser | Häfen | Für wen |
|---|---|---|---|---|
| Mai | lebhaft, wechselhaft | 10–14 °C | leer | Erfahrene, die Ruhe suchen |
| Juni | moderat | 14–17 °C | gut belegt | Der Kompromiss aus allem |
| Juli | oft schwach | 17–20 °C | voll | Familien, Badetörns |
| August | schwach bis moderat | 18–22 °C | voll | Familien, Anfänger |
| September | zunehmend | 15–18 °C | ruhiger | Segler, die Wind wollen |
| Oktober | kräftig | 11–14 °C | leer | Erfahrene, kurze Törns |
Wassertemperaturen als grobe Spanne für die deutschen Küstengewässer. Die tagesaktuellen Messwerte stehen unter Wassertemperatur.
Warum Juni und September die Kenner-Monate sind
Im Hochsommer ist die Ostsee oft windschwach. Das ist angenehm für Familien mit Kindern und frustrierend für alle, die segeln und nicht motoren wollen. Juni und September bieten verlässlicheren Wind, akzeptable Temperaturen und deutlich mehr freie Liegeplätze.
Der September hat dabei einen eigenen Reiz: Das Wasser ist noch warm vom Sommer, die Luft schon kühl, die Sicht oft glasklar. Dafür werden die Tage merklich kürzer, was die Törnplanung ändert.
Der Faktor, den viele unterschätzen
Nicht die mittlere Windstärke entscheidet über einen guten Törn, sondern die Zuverlässigkeit der Vorhersage und die Zahl der Ausweichhäfen. Die westliche Ostsee ist in dieser Hinsicht ideal: Zwischen Flensburg und Fehmarn liegt selten mehr als eine Tagesreise zwischen zwei Häfen, und bei fast jeder Windrichtung gibt es eine geschützte Seite.
Weiter östlich, jenseits von Rügen, werden die Abstände größer und die Ausweichmöglichkeiten weniger. Dort zählt die Wetterlage mehr als der Monat.
Thermik einplanen
An warmen Sommertagen kommt zur allgemeinen Wetterlage der Seewind dazu: Ab dem späten Vormittag frischt es küstennah auf, am Nachmittag steht der Wind oft ein bis zwei Beaufort über dem, was der Seewetterbericht für die offene See nennt. Abends schläft er ein. Wer das kennt, plant die Etappen entsprechend.
Der Küstenwetterbericht bildet diesen Effekt ab, der Seewetterbericht für die offene See nicht.