Die Gefahr eines Sommergewitters auf dem Wasser liegt selten im Blitz. Sie liegt in der Böenfront, die der Zelle vorausläuft: Windzunahme um mehrere Beaufort innerhalb von Sekunden, oft verbunden mit einer Drehung um bis zu 180 Grad.
Erkennen
Ein Gewitter kündigt sich stundenlang an, wenn man weiß, worauf zu achten ist:
- Quellwolken, die in die Höhe wachsen. Wenn aus dem Schönwetter-Cumulus am Vormittag bis Mittag ein Turm wird, ist am Nachmittag mit Gewittern zu rechnen.
- Der Amboss. Sobald die Wolke oben ausfranst und sich seitlich ausbreitet, ist die Zelle reif.
- Die Böenwalze. Eine dunkle, tief hängende Rolle unter der Wolkenbasis. Ab hier bleiben Minuten, nicht Stunden.
- Drückende Schwüle bei plötzlicher Windstille. Häufig die Ruhe unmittelbar vor der Bö.
Im Seewetterbericht steht die Warnung meist pauschal für das ganze Gebiet, etwa als „Gewitterböen 9". Das heißt nicht, dass es überall neun Beaufort gibt, sondern dass es dort, wo eine Zelle durchzieht, neun Beaufort sein werden. Mehr dazu unter Seewetterbericht lesen.
Ausweichen
Einzelzellen ziehen mit der Höhenströmung, meist aus westlichen Richtungen, und sind oft nur wenige Kilometer breit. Wer früh genug sieht, wohin die Zelle zieht, kann ihr ausweichen. Faustregel: quer zur Zugrichtung laufen, nicht davor herlaufen. Eine Gewitterzelle ist schneller als jede Fahrtenyacht.
Der sicherste Kurs führt in den Hafen, aber nur, wenn er rechtzeitig erreichbar ist. Eine Hafeneinfahrt mitten in der Bö ist gefährlicher als offenes Wasser.
Vorbereiten
- Segel bergen oder stark reffen, bevor die Front da ist. Unter Motor durch eine Bö zu fahren ist unproblematisch, unter vollen Segeln nicht.
- Rettungswesten anlegen, Luken und Ventile schließen.
- Lose Gegenstände sichern, Beiboot dichtholen.
- Position notieren, damit sie auch ohne Elektronik bekannt ist.
- Crew nach unten, außer wer gebraucht wird.
Während des Gewitters
Kontakt mit Mast, Wanten, Reling und anderen metallischen Teilen vermeiden. Auf einer Yacht mit Blitzschutz leitet der Mast in der Regel ins Wasser ab, und der Innenraum wirkt näherungsweise wie ein faradayscher Käfig. Das ist der beste verfügbare Platz.
Handfunkgeräte und Elektronik, die man später braucht, kann man in den Backofen legen. Das klingt kurios und ist eine bewährte Behelfslösung, weil das Metallgehäuse abschirmt.
Danach
Nach dem Durchzug dreht der Wind oft komplett und kann noch eine Weile böig bleiben. Segel erst wieder setzen, wenn sich das beruhigt hat. Prüfen Sie Elektronik und Beleuchtung, ein Blitzschlag kann auch ohne sichtbaren Schaden Geräte zerstören.