Seekrankheit entsteht, wenn das Gleichgewichtsorgan Bewegung meldet, die Augen aber keine sehen. Unter Deck ist der Widerspruch am größten, deshalb wird es dort am schnellsten schlecht. Alles, was hilft, setzt an genau diesem Punkt an.
Vor dem Ablegen
Ausgeschlafen an Bord gehen. Müdigkeit ist der größte Verstärker, und ein durchzechter Abend vor dem Törn rächt sich zuverlässig. Etwas essen, aber leicht: Ein leerer Magen ist genauso ungünstig wie ein voller. Alkohol am Vorabend meiden.
Medikamente wirken nur, wenn sie vor dem Ablegen genommen werden. Wer wartet, bis ihm schlecht ist, behält die Tablette meist nicht lange genug bei sich. Übliche Mittel enthalten Dimenhydrinat oder Scopolamin, beide machen müde. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, besonders wenn Sie das Boot führen wollen.
An Bord
- Draußen bleiben. Frische Luft und der Blick zum Horizont geben den Augen die Bewegung zurück, die das Innenohr meldet.
- Beschäftigen. Wer steuert, wird selten seekrank. Das Gehirn sagt die Bewegung voraus, statt sie nur zu erleiden.
- Nichts lesen, kein Handy. Der Blick auf ein nahes, ruhiges Objekt ist genau der Widerspruch, der die Übelkeit erzeugt.
- Mitte des Bootes. Dort sind die Bewegungen am kleinsten. Im Vorschiff sind sie am größten.
- Warm bleiben. Auskühlen verschlimmert alles.
- Trinken. In kleinen Schlucken, damit der Flüssigkeitsverlust nicht dazukommt.
Was wenig bringt
Akupressurbänder am Handgelenk sind verbreitet, ihre Wirkung ist in Studien bestenfalls uneinheitlich. Ingwer wird oft empfohlen und schadet nicht, ersetzt aber bei starkem Seegang kein Medikament. Kaffee hilft nicht, und Zigaretten machen es schlimmer.
Wenn es passiert ist
Nach Lee, angeleint, und danach etwas trinken. Wer sich übergeben hat, fühlt sich meist kurz besser und sollte diesen Moment nutzen, um an Deck einen geschützten Platz einzunehmen. Wichtig für den Schiffsführer: Eine seekranke Person ist keine einsatzfähige Person. Planen Sie die Wachen entsprechend und rechnen Sie damit, dass jemand ausfällt.
Anhaltendes Erbrechen über viele Stunden ist ein medizinisches Problem, nicht nur eine Unannehmlichkeit. Dann geht es um Flüssigkeitsverlust, und der nächste Hafen ist die richtige Entscheidung.
Die Wetterseite der Sache
Am meisten hilft, gar nicht erst in die Bedingungen zu geraten, die es auslösen. Kurze, steile Wellen sind schlimmer als lange hohe, deshalb ist ein Ostseetörn bei anderthalb Metern oft unangenehmer als ein Nordseetörn bei zwei. Was im Bericht steht und was es bedeutet, erklärt die Seite zu Seegang und Wellenhöhe.