SeewettervorhersageNord- und Ostsee

Den Seewetterbericht lesen

Der DWD verwendet feste Begriffe mit festen Bedeutungen. Wer sie kennt, liest aus zwei Zeilen mehr heraus als andere aus einer Wetter-App.

Lesezeit 7 MinutenZuletzt geprüft Juli 2026

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Der Seewetterbericht ist kein Fließtext, sondern ein Formular. Er folgt immer derselben Reihenfolge: Wetterlage, dann pro Seegebiet Wind, Sicht/Wetter und Seegang. Wer diesen Aufbau kennt, findet in fünf Sekunden, was er braucht.

Der Aufbau

Jede Ausgabe beginnt mit der Wetterlage — ein bis drei Sätze über Hochs, Tiefs und ihre Zugbahn. Diese Zeilen werden am häufigsten übersprungen und sind die wertvollsten: Sie sagen, ob sich die Lage stabilisiert oder ob morgen etwas anderes kommt.

Danach folgt für jedes Seegebiet derselbe Dreiklang:

Die Zeitwörter

Diese Begriffe sind nicht umgangssprachlich gemeint, sondern beschreiben Dauer und Häufigkeit im Vorhersagezeitraum:

WortBedeutungPraktisch
anfangszu Beginn des Zeitraums, dann ÄnderungWer später losfährt, bekommt andere Bedingungen
vorübergehendkurze Unterbrechung, danach zurück zum AusgangszustandNicht auf die Flaute verlassen
zeitweisemehrfach, mit UnterbrechungenKommt wieder, planen Sie damit
späterin der zweiten Hälfte des ZeitraumsRückweg neu bewerten
aufkommend / auffrischendWind nimmt zuReffen einplanen, bevor es nötig ist
abflauendWind nimmt abAchtung: Seegang bleibt länger stehen als der Wind

Die Flächenwörter

Sie beschreiben, welcher Anteil des Seegebiets betroffen ist — und das ist entscheidend, weil ein Seegebiet wie die Deutsche Bucht mehrere hundert Seemeilen misst.

WortAnteil des GebietsWie Sie es lesen
vereinzeltsehr kleiner TeilWahrscheinlich nicht bei Ihnen — aber möglich
strichweiseschmale Streifen, oft entlang einer FrontZieht als Band durch, dauert kurz und ist heftig
gebietsweisegrößere zusammenhängende TeileRechnen Sie fest damit
verbreitetfast überallBetrifft Sie
örtlicheng begrenzt, oft küstennahRevierabhängig, Küstenwetterbericht prüfen

Die drei häufigsten Lesefehler

1. Böen werden überlesen

Steht dort „östliche Winde 5, Gewitterböen 8", dann muss das Boot Windstärke 8 vertragen — nicht 5. Die Zahl hinter „Böen" ist die, nach der Sie Ihre Besegelung wählen. Der Mittelwind sagt nur, wie es sich die meiste Zeit anfühlt.

2. Der Seegang wird als Obergrenze gelesen

„Seegang 2 Meter" ist der Mittelwert des höchsten Wellendrittels. Einzelne Wellen laufen deutlich höher auf — bei 2 Metern signifikanter Höhe sind 3,5 Meter normal. Mehr dazu auf der Seite zu Seegang und Wellenhöhe.

3. Das falsche Gebiet

Der Seewetterbericht gilt für die offene See. Innerhalb von etwa zwölf Seemeilen vor der Küste gilt der Küstenwetterbericht, der feiner aufgelöst ist. An der Grenze weichen beide regelmäßig um ein bis zwei Windstärken voneinander ab — thermische Effekte an der Küste erklären den Unterschied.

Ein Beispiel im Klartext

Original: „Wind: Östliche Winde 5, vorübergehend gebietsweise schwachwindig, später Süd bis Südwest um 4, Gewitterböen 8."

Übersetzt: Den ganzen Tag Ost mit Windstärke 5. Irgendwann fällt der Wind auf größeren Teilen des Gebiets ab — aber nur kurz, danach ist er wieder da. In der zweiten Tageshälfte dreht er auf Süd bis Südwest und wird etwas schwächer. Über den ganzen Zeitraum sind bei Gewittern Böen bis Windstärke 8 möglich.

Praktisch heißt das: Ein Kurs, der morgens gut liegt, liegt nachmittags anders. Und die Flaute zwischendurch ist kein Grund, das Reff auszuschütteln.

Wann der Bericht erscheint

Der Seewetterdienst Hamburg gibt den Bericht mehrmals täglich neu heraus. Auf dieser Seite wird er automatisch nachgeladen, sobald eine neue Ausgabe vorliegt; die Zeile „Stand" oben nennt immer den Zeitpunkt der aktuellen Ausgabe. Über Seefunk und NAVTEX läuft derselbe Text zu festen Sendezeiten — das ist der Weg, der auch ohne Mobilfunk funktioniert.

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